Reinhard Moser
im Gespräch.

Wie haben Sie es geschafft, Österreichs größter Sarghersteller zu werden?
Nicht ich allein hab das geschafft, sondern es geschah durch die Aufbauarbeit zweier Generationen beginnend bei meinen Eltern, die bei null angefangen haben. Mit Fleiß, Einsatz, mit Mühe und Leidenschaft haben sie ihren Weg gemacht. Der war ja nicht vorgezeichnet, den hätte jeder andere auch machen können.

Welche sind Ihre wichtigsten Stationen im Aufbau des Unternehmens?
Zuerst war das der Erfolg meiner Eltern. Als ich damit angefangen habe, hat es drei wichtige Abschnitte gegeben: Der erste war die Stabilisierung des schwer angeschlagenen Unternehmens zum Zeitpunkt meiner Übernahme. Der zweite war die Gründung und der Aufbau des Betriebes in Tschechien, ohne den eine weitere Entwicklung nicht möglich gewesen wäre. Der dritte war die Gründung der Bestattung Perikles in Wien, ein wichtiger Schritt in die Bundeshauptstadt.

Gibt es einen Trend bei der Sarggestaltung?
Ja, es gibt schon einen Trend, nämlich weg vom Verschnörkelten hin zu klaren, einfacheren Linien. Dass eine Bauernfamilie einen Sarg in italienischer Körperformbauweise auswählt, wäre vor einigen Jahren ungewöhnlich gewesen. Auch das Material, die Wahl der Hölzer, hat sich in der letzten Zeit stark verändert.

Wo holen Sie sich Anregungen? Internationale Vorbilder?
Im Großen und Ganzen: nein. Aber wir haben uns in Italien umgeschaut, wo ja auch schöne Autos, Schuhe und Kleidung entstehen. Wir haben aber stark aufgeholt und unsere Nachbarn teilweise überholt. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Italien früher bessere Entwürfe gezeigt hat und heute vermehrt billig im Osten produziert.

Welche Holzart wird am häufigsten geordert?
Nach wie vor Eiche, wobei man unterscheiden muss zwischen massiver Eiche und eichenfurnierten Weichholzsärgen. Wir verwenden schnell nachwachsendes Nutzholz und bringen ein wunderschönes Eichenfurnier auf, was sinnvoll ist. Denn ein mächtiger Eichenstamm entwickelt sich erst in mehr als 100 Jahren.

Pläne für die Zukunft?
Pläne hat man immer. Aber um es generell zu sagen: Ich wünsch mir, dass der Betrieb in der Familie weitergeführt wird. Und das bedeutet keine weitere Expansion, sondern das, was geschaffen wurde, erhalten. In Verbindung mit der Absicht, auch die Arbeitsplätze abzusichern. Und wenn unser Michael das weitermacht, dann bin ich glücklich. Und privat? Mit dem Motorrad von Mittelamerika bis Feuerland, das wäre schon was.

 

Wie entspannen Sie sich?
Für mich war Entspannung immer, etwas zu tun. Ich kann nicht untätig an einem Strand liegen, das langweilt mich. Mit einem historischen Fahrzeug über die Berge zu fahren oder wenn ich Wasserschi oder Motorrad fahre und dabei Spaß habe, dann habe ich keine Zeit, über das Geschäft nach zu denken. Das bedeutet für mich Entspannung.

Erzählen Sie uns bitte ein bisschen über Ihre Familie.
Ich bin glücklich und zufrieden. Meine Silvie kommt aus Italien, ich hab’s also geschafft, sie aus Italien nach Österreich zu holen und gleichzeitig starke Wurzeln im Nachbarland zu haben. Dann gibt es meinen Sohn Michael, der gerade seine Matura an einer internationalen Schule absolviert hat. Ich bin davon überzeugt, dass er seinen Weg machen und auch den Betrieb weiterführen wird. Und der Luca, Silvies Sohn aus erster Ehe, ist im letzten Jahr auch zu uns ins Unternehmen gekommen. Ich erlebe, dass sich die zwei Jungs sehr gut ergänzen und der eine dem anderen hilft. Das ist bereits eine Win-win Situation. Es ist eigentlich alles im grünen Bereich.